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Zivilschutz evakuiert Pflegeheim Sennhof


 

August 2012 - Ein Ereignis wartet nicht, es kommt oftmals unangemeldet und überraschend. Im Falle eines Brandes wäre die Feuerwehr blitzschnell vor Ort und rettet Mensch und Leben. Aber wie geht es weiter? Was ist, wenn die betroffenen Personen draussen im Freien auf dem Sammelplatz stehen? Genau diese Situation war Ausgangspunkt eines Wiederholungskurses des Zivilschutzes der Region Zofingen.

Die Frage, was bei einem solchen Ereignis passieren würde, stellte sich der Zivilschutz bei der Planung vor einem Jahr. «Wir sind rund 60 Betreuer in unserer Organisation, hier ist es wichtig, mit dem Ernstfall und nicht mit „Übungen“ konfrontiert zu werden“ meint Stefan Ruf, Oberleutnant der beiden Betreuungszüge. Der diesjährige Einsatz sollte darum dem Ernstfall so nahe wie möglich kommen und die Zivilschutzleistenden tatsächlich mit Betroffenen konfrontieren. «Wir haben deshalb die umliegenden Pfegeorganisationen angeschrieben. Urs Schenker, Heimleiter des Pflegeheims Sennhof in Vordemwald, hat sich rasch bereit erklärt, eine gemeinsame Übung zu realisieren. Die enge Zusammenarbeit und die Unterstützung durch das Pflegeheim waren hervorragend.»

Nach einer spannenden Planungsphase und intensiven Vorbereitungen stand der Durchführung vom 22. auf den 23. August 2012 nichts mehr im Wege. In den Wochen vor der Durchführung fanden viele vorbereitende Gespräche zwischen Pflegepersonal den Bewohnerinnen und Bewohnern statt. Dank dieser grossen Überzeugungsarbeit haben neun rüstige Frauen und Herren des Pflegeheims Sennhof in Vordemwald zugesagt, mit den Zivilschützern auf diese "Reise" zu gehen. 2 Betreuungszüge der Zivilschutz-Organisation der Region Zofingen standen im Rahmen der jährlichen Wiederholungskurse im Einsatz. Unterstützend dabei waren drei Pflegefachkräfte, die als Bindeglied zwischen Bewohnern und Zivilschutz eine zentrale Rolle wahrnahmen. Als Unterkunft diente die Zivilschutzanlage an der Rosengartenstrasse in Zofingen. Anfängliche Berührungsängste waren rasch ausgeräumt und es entstanden spontane und heitere Gespräche sowie eine fröhliche Atmosphäre zwischen Jung und Alt.

Die Betreuer des Zivilschutzes koordinierten den gemeinsamen Transport der Bewohnerinnen und Bewohner von Vordemwald nach Zofingen und unterstützten sie tatkräftig beim Ein- und Aussteigen aus den Transportbussen. Nach dem Einquartieren mit offizieller Eingangskontrolle – neben den Namen hielten die Verantwortlichen auch verschiedene wesentliche Angaben der Personen wie beispielsweise das Alter fest – organisierten die Betreuer einen kleinen Ausflug nach Attelwil, damit sich alle Beteiligten etwas besser kennenlernen konnten. Bei Kaffee und Kuchen kamen sich die Bewohner und die Betreuer näher, so dass das Abendessen, das die Küche des Zivilschutzes vorbereitete, schon in einem fast vertrauten Umfeld stattfand. Die Übernachtung in der Unterkunft begleitete eine Nachtschicht. Ernsthafte Zwischenfälle blieben während der gesamten Übung aus.

Am zweiten Tag machten die Betreuer kurz nach dem Frühstück mit einigen Bewohnern einen Ausflug auf den Heitere-Platz. Mit den anderen Gästen, von denen einige auf den Rollstuhl angewiesen waren, verbrachten sie die Zeit bei einem Ausflug in die Zofinger Altstadt.
Ein gemeinsames Mittagessen bildete den Abschluss der beiden Tage und somit war auch der Abschied herangerückt. Mit einem sehr herzlichen Empfang endete die Übung wieder am Ausgangspunkt – im idyllisch gelegenen Pflegeheim Sennhof in Vordemwald.

Heinz Häfliger, Kommandant des Zivilschutzes zeigt sich auch rund einen Monat nach der Übung noch sehr zufrieden. «Wir konnten viele wertvolle Punkte einsammeln um so im Ernstfall noch besser handeln zu können. Die Betreuer waren zwar gefordert, aber haben den Sinn der erfolgreich absolvierten Übung geschätzt und sehr gute Arbeit geleistet».

«Die Rückmeldungen der Bewohner waren äusserst positiv. Handelte es sich doch um keine einfache Übung und niemand wusste genau, was ihn erwarten würde» so Heimleiter Urs Schenker. «Trotz der mutigen Übung hatte die Sicherheit und das Wohlbefinden der Bewohnerinnen und Bewohner stets oberste Priorität, so organisierten wir auch extra einen Notarzthintergrund».

«Durch diese wertvollen Vorbereitungen wird der Ernstfall weniger zum Notfall», freut sich auch Stefan Ruf über die gut gelungene Übung. Weitere gemeinsame Übungen in vergleichbarer Art und Weise sind bereits in Diskussion.

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Interview mit Stefan Ruf
Stefan Ruf, Oberleutnant der beiden an der Übung beteiligten Betreuungszüge, führte die Organisation dieses aussergewöhnlichen WKs an. Insbesondere schätzt er die positiven Rückmeldung seitens Betreuer, aber auch die motivierte Haltung von allen Beteiligten – Bewohnern, Heimleitung, Pfleger und Betreuer.

Wie haben Sie die Zivilschützer und die Bewohner auf diese herausfordernde Übung vorbereitet?
Die Zivilschutzleistenden rückten bereits einen Tag vor dem Transport ein. Mit Unterstützung des Pflegepersonals des Sennhofs repetierten sie wichtige Griffe und Aktivitäten wie Treppenlaufen oder das Führen von Sehbehinderten um Unsicherheiten am Folgetag möglichst zu vermeiden. Diese Vorbereitung fand in der Zivilschutzanlage statt. Insbesondere möchte ich mich hier bei Tabea Häfelfinger bedanken, sie hat seitens Sennhof vieles koordiniert, unsere Betreuungszüge unterstützt und sowohl diese Vorbereitung als auch die gesamte Übung mitgestaltet. Ohne sie hätte vieles gefehlt. Auch im Ernstfall ist es wichtig, dass bei den Betroffenen Verantwortliche vor Ort sind, die mit den Bewohnern vertraut sind und Unterstützung leisten. Denn man darf nicht vergessen, dass die Zivilschutzleistenden in Ihrem Alltag meist andere Berufe ausüben.

Was war der schwierigste Teil der Übung?
Der Anfang: Es galt, Berührungsängste sowohl seitens Bewohner als auch seitens Betreuer zu überwinden – für alle war es eine ungewohnte Situation. Wichtig war dabei vor allem das gegenseitige Gespräch. Dieses kam zum Glück rasch zustande und die Hemmungen lösten sich. Richtig entspannt wurde es auf dem Nachmittagsausflug am ersten Tag. Dieser hat viel zum Erfolg der Übung und der positiven Resonanz beigetragen.

Wie kamen die Sennhof-Bewohnerinnen und -bewohner mit der Übernachtung in der Zivilschutzanlage an der Rosengartenstrasse zurecht?
Zwar ist die Zivilschutzanlage keine Luxusanlage, das ist allen bewusst. Aber es hat sich gezeigt, wenn sich die Personen wohl und gut betreut fühlen, dann spielt das keine Rolle. Auch hier gilt wiederum Zuhören und miteinander sprechen ist das A&O.
Es war uns auch wichtig, niemanden unnötig einzuschränken oder zu bevormunden. Es gab keine fixe Bettzeit, jeder konnte selber wählen, wann er schlafen wollte. Die fitteren Personen konnten sich selber ins Bett legen, anderen leisteten wir Unterstützung.

Was war das überraschendste Ereignis der Übung?
Überraschend ist vielleicht der falsche Begriff, aber der Einsatz und die positive Herangehensweise aller Dienstleistenden hat alle Erwartungen übertroffen.

Beispiele gibt es viele: Die Küche hat super mitgemacht, ohne bestimmte Vorgabe haben sie den Bewohnerinnen und Bewohnern verschiedene Überraschungen wie zum Beispiel ein Stückli Schokolade offeriert. Und am Morgen hatten die Betreuer ohne Aufforderung bereits alles bereitgestellt, die Tische waren gedeckt. Es entwickelte sich ohnehin eine enorm positive Gruppendynamik. Ein Betreuer, Jürg Bänziger, zeigte sich sogar als Spielmoderator und spielte mit den Seniorinnen und Senioren am Tisch Lotto. Er hat sozusagen ein ganzes Unterhaltungsprogramm gestaltet. Und einem Paar unter den Bewohnern haben die Betreuer von sich aus ein besonderes Candlelight-Dinner bereitet. Das sind schon besondere Momente, die zeigen, dass die Übung auch den Dienstleistenden am Herzen lag.

Wie empfanden die Bewohnerinnen und Bewohner die Übung?
Am besten zeigte sich das positive Feedback beim Mittagessen vor der Rückkehr: Praktisch alle Teilnehmenden haben gestrahlt und gesagt, sie können nicht warten, bis sie ihren Mitbewohnern, Verwandten und Freunden davon erzählen können.

Wie waren die Rückmeldungen seitens Betreuer aus dem Zivilschutz?
Bereits beim Debriefing vielen die Rückmeldungen sehr positiv aus. Ein Betreuer sagte, dies sei die beste Übung gewesen, die er je erlebt habe. Zentral war dabei wohl, dass es kein „Rollenspiel“ war, sondern sich wirklich jeder voll und ganz seiner Verantwortung und Aufgabe annehmen musste. Jeder erkannte Sinn und Zweck der Übung.

Was betrachten Sie als besonderen Erfolg?
Diese Tage boten uns die Möglichkeit, aufzuzeigen, dass der Zivilschutz für den Ernstfall bereit ist und diesen meistern kann. Gleichzeitig ist damit die Grundlage gelegt, auch künftig solche umfangreichen Übungen durchzuführen. Wir möchten künftig auch die Zusammenarbeit mit weiteren wichtigen Organisationen wie beispielsweise der Feuerwehr trainieren.

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