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Verhör an Heilig Abend bei Musik & Theater Zofingen

Im Stück «Heilig Abend» von Daniel Kehlmann, das am 27. Februar 2019 im Stadtsaal zu sehen ist, geht es um eine Verhör-Situation, in der zunehmends unklar wird, wer eigentlich wen befragt. Durch die wechselnde Beziehungsdynamik spielt der Autor geschickt mit den Erwartungen des Publikums und stellt so Fragen, die zum Weiterdenken anregen.

24. Dezember, 22.30 Uhr. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt: Nur 90 Minuten hat Verhörspezialist Thomas Zeit, um von der Philosophie-Professorin Judith zu erfahren, ob sie tatsächlich, wie er vermutet, um Mitternacht einen terroristischen Anschlag verüben will. Im Nebenzimmer wird Judiths Ex-Mann und vermeintlicher Mittäter schon fast zwölf Stunden lang befragt. Ermittler Thomas versucht, die eine über die Aussagen des anderen zu überführen. Aber wo endet List, und wo beginnt unzulässige Täuschung? Thomas setzt alles daran, Judith aus der Reserve zu locken. Doch da hat er mit ihr kein leichtes Spiel. Im Gegenteil: Sie beginnt, ihr Gegenüber mit gezielten Fragen aus dem Konzept zu bringen. Die Situation spitzt sich zu. Und die Zeiger der Uhr rücken unerbittlich auf Mitternacht zu.

Der Clou dabei: Die beiden Schauspieler auf der Bühne haben einen dritten Mitspieler, nämlich die Zeit, in Form einer sozusagen in Echtzeit auf Mitternacht zu rückenden Uhr. Sie müssen
sich also an einen strengen Zeitplan halten und beim Spielen auf die Uhr achten, die erbarmungslos weiterläuft.

In dieser spannenden Psycho-Studie spielt Daniel Kehlmann durch wechselnde Beziehungsdynamiken geschickt mit den Erwartungen und Ängsten der Zuschauerinnen und Zuschauer. Er stellt Fragen, die zum Weiterdenken zwingen, weil sie nicht eindeutig zu beantworten sind, die aber eine Antwort verlangen. Der Herausforderung des Wettlaufs gegen die Uhr stellen sich die Schauspieler Jacqueline Macaulay und Wanja Mues. Die Regie übernimmt Jakob Fedler.

Wanja Mues als Thomas und Jacqueline Macaulay als Judith in Heilig Abend (Bild: Joachim Hiltmann)