Neophyten – gebietsfremde Pflanzenarten

Aktuell

Neuer invasiver Neophyt in Zofingen gesichtet: Schmalblättriges Greiskraut (siehe Medienmitteilung)
Nach einem einzelnen Fund 2023 wurde 2024 bereits an mehreren Stellen in Zofingen das Schmalblättrige Greiskraut (Senecio inaequidens) gesichtet. Es ist nahe verwandt mit dem Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea), das zwar einheimisch ist, aber auch als Problempflanze gilt. Beide sind giftig, insbesondere für Weidetiere wie Kühe. Deshalb sind sie besonders problematisch in der Kulturlandschaft. Damit sich die bisher wenigen Pflanze in Zofingenn nicht weiter verbreiten, möchte die Fachstelle Natur und Landschaft diese Pflanze rasch bekämpfen. Bitte melden Sie deshalb Ihre Funde der Fachstelle Natur und Landschaft naturundlandschaft@zofingen.ch. Vielen Dank für Ihre Mithilfe!
Weitere Informationen können der Medienmitteilung vom 12.11.2024 entnommen werden. Und hier findet sich das Informationsblatt von Infoflora zum Schmalblättrigen Greiskraut (auch Südafrikanisches Greiskraut genannt).
Unterschied: Das einheimische Jakobskreuzkraut hat fiederteilige Blätter, das Schmalblättrige Greiskraut hat nadelförmige Blätter (sehen auf dem Bild unten fast wie Gras aus).

Schmalblättriges Greiskraut mit den nadelförmigen Blätter, blüht bis November

Neophyten im Wald - NICHT AUF DEN WALDWEGEN ENTSORGEN
Wer im Wald invasive Neophyten ausreisst, sollte sie auf keinen Fall auf den Waldwegen liegen lassen, auch nicht auf Haufen. Dort fahren regelmässig grosse Forstfahrzeuge durch und verteilen das Pflanzenmaterial. Die Pflanzen werden so noch weiter verbreitet, da sich viele von ihnen über Samen, Wurzeln oder andere Pflanzenteile vermehren können. Das ist kontraproduktiv. Deshalb gilt allgemein: bitte die ausgerissenen Pflanzen mitnehmen und in einem Abfalleimer oder einem Neopyhtensack entsorgen, dessen Inhalt in der Kehrichtverbrennung entsorgt wird.
Eine Ausnahme bildet das Drüsige Springkraut. Das darf ausgerissen auf einem Haufen im Wald (nicht auf den Wegen) gesammelt werden. Idealerweise unterlegt man den Haufen zu Beginn mit einigen Ästen und Zweigen, damit das Pflanzenmaterial den Boden nicht berührt.

Newsletter Neobiota, Zofingen und Kanton Aargau
Die Fachstelle Natur und Landschaft der Stadt Zofingen hat 2024 gestartet mit einem Newsletter Neophyten, der per Email verschickt wird. Alternativ können die aktuellsten Ausgaben auch hier abgeholt werden: Mai 2024, Juli 2024.
Und die Koordinationsstelle Neobiota des Kantons Aargau verschickt regelmässig Newsletter zum Thema Neobiota. Die aktuellsten können hier abgerufen werden. 

Neophyten im Wald, Aktion mit Bigbags 2024, Freiwilligenaktion NZZ
Die Bigbag-Aktion im Wald wurde auch 2024 durchgeführt. Anfang November wurden sie wieder eingesammelt. An den Standorten des Einjährigen Berufkrauts von 2023 gab es 2024 schon viel weniger Pflanzen. Darum wurde auch weniger Pflanzenmaterial in den Bigbags entsorgt. Dank dem grossen Einsatz von 2023 gab es also in diesem Jahr schon weniger zu tun.
Eine Gruppe Freiwilliger aus der Bevölkerung, die sich über Whatsapp organisiert (Neophytenzupfer Zofingen), war im Sommer 2024 sehr aktiv unterwegs und hat viele Standorte des Drüsigen Springkrauts entdeckt und zum Teil mehrmals gesäubert. Herzlichen Dank an diese Gruppe für ihren Einsatz! Wer daran teilnehmen will, kann sich mit Name und Mobiltelefonnummer melden unter naturundlandschaft@zofingen.ch .

Bundesrat verbietet Inverkehrbringen gewisser invasiver gebietsfremder Pflanzen
An seiner Sitzung vom 1. März 2024 hat der Bundesrat eine Anpassung der Freisetzungsverordnung beschlossen. Ab dem 1. September 2024 dürfen gewisse invasive gebietsfremde Pflanzen nicht mehr auf den Markt gebracht werden (u.a. Kirschlorbeer, Schmetterlingsstrauch). Zudem wird das Umgangsverbot erweitert. Damit setzt der Bundesrat einen parlamentarischen Vorstoss um (Details siehe Medienmitteilung vom 01.03.2024).

Aktion mit Bigbags seit 2023: Invasive Neophyten im Wald (Medienmitteilung)
Die Arbeitsgruppe Neophyten Zofingen stellte im Sommer 2023 und 2024 interessierten Waldbesucherinnen und -besuchern an mehreren, wechselnden Stellen im Zofinger Wald grosse Säcke und Informationstafeln zur Verfügung. So konnte die Bevölkerung die invasiven Neophyten (v.a. Einjähriges Berufkraut, Nordamerikanische Goldruten) direkt im Wald ausreissen (mit Wurzeln) und in die grossen Sammelsäcke werfen. Diese Säcke wurden regelmässig geleert und das Material in der Kehrrichtverbrennung entsorgt. Total kamen im ersten Jahr gegen 40 m3 Material zusammen. Einzig das Drüsige Springkraut kann nach dem Ausreissen direkt auf einen Haufen im Wald gelegt werden. Wenn allerdings schon Früchte vorhanden sind, werden sie besser mit den Neopyhten-Säcken entsorgt.

Neozoen: Asiatische Hornisse
Nicht nur exotische Pflanzen breiten sich aus und bedrohen die heimische Artenvielfalt, auch bei fremden Tieren kommt das vermehrt vor. Bekannte Beispiele sind die Quaggamuschel und Asiatische Tigermücke. Auch die Asiatischen Hornisse ist immer öfter Thema in den Medien. Sie jagt u.a. Honigbienen und kann ganze Bienenvölker gefährden. Der Kanton Aargau hat dazu aufgerufen, Verdachte auf Asiatische Hornissen zu melden, um die Bekämpfung regional zu koordinieren (Medienmitteilung 28.06.2023). Es gibt nützliche Merkblätter zur Bestimmung (Poster KantonMerkblatt Imker ).

Koordinationsstelle Kanton Aargau für Neobiota
Der Kanton Aargau hat seit 2022 eine Koordinationsstelle für Neobiota (Neophyten und Neozoen). Auch die Homepage wurde aktualisiert. Für Zofingen ist Lisanna Schmidt von der Fachstelle Natur und Landschaft Ansprechperson für Neobiota. Zudem wurde ein kantonaler Neophytensack eingeführt, den die Gemeinden bestellen können. Zofingen wird mit dem eigenen Sack weiterfahren, solange der Vorrat reicht. Praxishilfe 

Neophytensack Zofingen seit 9. Juni 2022 (Medienmitteilung)
Seit Juni 2022 wird interessierten Einwohnerinnen und Einwohnern ein spezieller Abfallsack zur Verfügung gestellt für die Entsorgung von invasiven Problempflanzen. Die Säcke können beim Werkhof, im Stadtbüro und im Gloor Recycling Center zusammen mit einem Merkblatt zur Anwendung sowie einem Faltblatt zum Thema Invasive Neophyten im Garten kostenlos bezogen werden. Gefüllte Säcke können gratis beim Werkhof oder im Gloor Recycling Center abgegeben werden. Sie werden anschliessend in die Verbrennung gegeben. In den Neophyten-Sack gehören nur krautige Teile von invasiven Problempflanzen (gemäss Liste invasive und potenziell invasive Neophyten von Infoflora), keine Gehölzteile (z.B. Kirschlorbeer). Sie können aus dem eigenen Garten oder aus der Natur stammen.

Verwechslungsgefahr
Es ist wichtig, diese exotischen Pflanzen gut zu kennen, damit nicht einheimische, ökologisch wertvolle Pflanzen entfernt werden. Deshalb bitte entsprechende Informationsblätter (Infoflora) wie zum Beispiel das Berufkraut-Merkblatt  (Kanton AG) mit den Bildern gut studieren vor einer Bekämpfungsaktion. Oder lassen Sie sich von jemandem beraten, der diese Pflanzen identifizieren kann. Es gibt ein neues Merkblatt der Stadt Zofingen mit den wichtigsten invasiven Neophyten in den Gärten.

Arbeitsgruppe Neophyten Zofingen
Die Arbeitsgruppe Neophyten Zofingen wurde im Herbst 2021 von der Fachstelle Natur und Landschaft ins Leben gerufen, um die Aktivitäten der Stadt Zofingen im Bereich Bekämpfung der invasiven Neopyhten zu koordinieren. Sie besteht neben der Fachstelle aus Vertretern der beiden Forstbetriebe Region Zofingen und Uerkental, dem Werkhof, dem Naturschutzverein, der Kommission Natur und Landschaft sowie einer Vertretung der Schulen.

 

Wichtigste invasive Neophyten in Zofingen (in Bearbeitung, 23.06.2023)

Infoflora bietet Infoblätter für alle invasiven Neophyten der Schweiz. Und auf der aktualisierten Homepage des Kantons Aargau zum Thema Neobiota gibt es eine Praxishilfe zu den wichtigsten invasiven Neophyten (Link). 

Einjähriges Berufkraut (Erigeron annuus) (Infoblatt von Infoflora , Merkblatt des Kantons )
Bereits an den Erlebnistagen Biodiversität im Juni 2021 wurde das Einjährige Berufkraut bekämpft. Der Bund, Kantone, Gemeinden und Landwirte bekämpfen diese Pflanze, die sich rasant ausbreitet und einheimische Pflanzen verdrängt (siehe TV-Beitrag). Wichtig ist, sie mitsamt den Wurzeln zu entfernen und dann zu verbrennen (bitte weder liegen lassen noch auf den Kompost werfen). Auch das verwandte kanadische Berufkraut (Conyza canadensis) verbreitet sich stark auf offenen und neuen Ruderalflächen, gilt bisher aber langfristig nicht als problematisch (Bericht von Infoflora). Vom Kanton wird trotzdem eine Bekämpfung empfohlen (siehe Merkblatt des Kantons zum Einjährigen Berufkraut).

Einjähriges Berufkraut (Erigeron annuus)

Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) (Infoblatt von Infoflora )
Der Kirschlorbeer stammt aus den Regionen Westasiens und Südosteuropas. Er wird immer noch gerne in Gärten als immergrüner Lebhag gepflanzt. Vor allem Vögel verbreiten seine Samen. In der Natur besiedelt er bevorzugt Hecken, Waldränder und Wälder. Seine Jungbäume können dichte Bestände bilden, die die Waldverjüngung verhindern und die einheimische Vegetation verdrängen.
Idealerweise werden Kirschlorbeerpflanzen durch andere, unproblematische Sträucher ersetzt. Einheimische Varianten sind zum Beispiel Eiben, Hagebuchen oder Stechpalmen. Wenn ein Ersatz nicht möglich ist, wird Gartenbesitzern empfohlen, jährlich die Blütenstände vor der Samenbildung zu entfernen. Dies vermindert die Gefahr der Ausbreitung aus den Siedlungsraum massiv. Seit dem 1. September 2024 gilt ein Verkaufsverbot für diese Pflanzenart in der Schweiz. 

Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus)

Kanadische und Spätblühende Goldrute (Solidago canadensis und Solidago gigantea) (Infoblatt von Infoflora)

Nordamerikanische Goldrute (Solidago sp.)

Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera) (Infoblatt von Infoflora)

Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera)

Japanischer Staudenknöterich (Reynoutria japonica) (Infoblatt von Infoflora)

Staudenknöterich (Reynoutria sp.)

Sommerflieder/Schmetterlingsstrauch (Buddleja davidii) (Infoblatt von Infoflora)

Sommerflieder (Buddleja davidii) (Foto: Erwin Jörg)

Schmalblättriges Greiskraut (oder Südafrikanisches Greiskraut) (Senecio inaequidens) (Infoblatt von Infoflora)

Nach einem einzelnen Fund 2023 wurde 2024 das Schmalblättrige Greiskraut (Senecio inaequidens) bereits an mehreren Stellen in Zofingen gesichtet. Es ist nahe verwandt mit dem Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea), das zwar einheimisch ist, aber auch als Problempflanze gilt. Beide sind giftig, insbesondere für Weidetiere wie Kühe. Deshalb sind sie besonders problematisch in der Kulturlandschaft. Weitere Informationen können der Medienmitteilung vom 12.11.2024 entnommen werden.

Schmalblättriges Greiskraut (Senecio inaequidens) (Foto: Michael Wacker)

Links

Was sind Invasive Neophyten

Neophyten sind gebietsfremde Pflanzenarten, die nach dem Jahr 1500 eingebracht wurden und wildlebend etabliert sind. Invasive Neophyten oder invasive gebietsfremde Organismen, sind Pflanzenarten, die nicht heimisch sind und sich dazu überdurchschnittlich stark verbreiten.
Diese Pflanzengruppe stellt in den meisten Fällen eine Bedrohung der lokalen Biodiversität dar. Sie kann durch ihre starke Konkurrenzkraft die standorttypische Vegetation verdrängen. Das bedeutet meist nicht nur den Verlust von Pflanzenarten, sondern auch eine Abnahme der Nahrungsgrundlage für Insekten und andere Tiere. 

Darüber hinaus gibt es invasive Neophyten, welche wirtschaftliche Schäden anrichten können. Durch ihre massive Wuchskraft beeinträchtigen sie Infrastrukturbauten wie Strassenbeläge oder Leitungen. Weiter sind Neophyten auch auf den landwirtschaftlichen Nutzflächen problematisch. Entweder weil sie Kulturpflanzen verdrängen und so einen Ertragsausfall bedeuten oder weil sie giftige Stoffe enthalten, welche das Tierwohl beeinträchtigen. Die gefährlichsten Arten sind für den Menschen gesundheitsschädlich. Allergische Reaktionen reichen von Hautreizungen bis zu starken Asthma-Anfällen.

In der Schweiz und auch im Kanton Aargau sind verschiedene invasive Neophytenarten unterschiedlich stark verbreitet. Die Fachstellen von Bund und Kantonen beschäftigen sich schon lange mit der Neophytenproblematik. Es sind verschiedene Merkblätter publiziert, welche Pflanzen charakterisieren und Massnahmen angeben (siehe auch bei den Links weiter oben).

Kontakt: Fachstelle Natur und Landschaft

 
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